{"id":407,"date":"2008-01-30T11:09:48","date_gmt":"2008-01-30T10:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.bluiswelt.de\/?p=407"},"modified":"2019-12-30T13:08:43","modified_gmt":"2019-12-30T12:08:43","slug":"was-will-uns-der-dichter-damit-sagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.bluiswelt.de\/?p=407","title":{"rendered":"Was will uns der Dichter damit sagen?"},"content":{"rendered":"<p>Heute flatterte mir von <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.lyrikmail.de\/\" title=\"Lyrikmail\" rel=\"noopener noreferrer\">Lyrikmail<\/a> ein <strike>Gedicht<\/strike> Text in Haus <strike>das<\/strike> der doch etwas &#8222;anders&#8220; zu sein scheint.<\/p>\n<p>Da so etwas hier aber sicherlich gern gelesen wird und\u00a0die Suchmaschinen endlich wieder einmal etwas zu tun bekommen m\u00f6chten habe ich hier\u00a0den\u00a0Text f\u00fcr euch:<\/p>\n<blockquote><p><font size=\"2\"><em>August von Platen (1796-1835)<\/em><\/font><\/p>\n<p><font size=\"2\"><strong>Bilder Neapels<\/strong><\/font><font size=\"2\"> <\/font><\/p>\n<p><font size=\"2\">1827<\/font>.<\/p>\n<p>Fremdling, komm in das gro\u00dfe Neapel, und sieh&#8217;s, und stirb!<\/p>\n<p>Schl\u00fcrfe Liebe, genie\u00df des beweglichen Augenblicks Reichsten Traum, des Gem\u00fctes vereitelten Wunsch vergi\u00df, Und was Qu\u00e4lendes sonst in das Leben ein D\u00e4mon wob:<\/p>\n<p>Ja, hier lerne genie\u00dfen, und dann, o Begl\u00fcckter, stirb! &#8211;<\/p>\n<p>Im Halbzirkel umher, an dem lachenden Golf entlang, Unabsehlich benetzt von dem laulichen Wogenschwall, Liegt von Schiffen und hohen Geb\u00e4uden ein weiter Kreis; Wo sich zwischen die Felsengekl\u00fcfte des Bacchus Laub Dr\u00e4ngt, und stolz sich erhebt in die Winde der Palmenschaft. &#8211;<\/p>\n<p>Stattlich ziehn von den H\u00fcgeln herab sich die Wohnungen Nach dem Ufer, und flach, wie ein Garten, erscheint das Dach:<\/p>\n<p>Dort nun magst du die See von der H\u00f6h und den Berg besehn, Der sein aschiges Haupt in den eigenen Dampf verbirgt, Dort auch Rosen und Reben erziehn und der Aloe Starken Wuchs, und genie\u00dfen die K\u00fchle des Morgenwinds. &#8211;<\/p>\n<p>F\u00fcnf Kastelle beschirmen und b\u00e4ndigen keck die Stadt:<\/p>\n<p>Dort Sankt Elmo, wie droht&#8217;s von dem gr\u00fcnenden Berg herab!<\/p>\n<p>Jenes andere, rings von Gew\u00e4sser umpl\u00e4tschert, einst War&#8217;s der Garten Lukulls, des entthronten Augustulus Sch\u00f6nes Inselasyl, in die Welle hinausgestreckt. &#8211;<\/p>\n<p>Wo du gehst, es ergie\u00dfen in Str\u00f6men die Menschen sich:<\/p>\n<p>Willst zum Strande du folgen vielleicht und die Fischer sehn, Wie mit nerviger Kraft an das Ufer sie ziehn das Netz, Singend, fr\u00f6hlichen Muts, in begl\u00fcckender D\u00fcrftigkeit?<\/p>\n<p>Und schon lauert der bettelnde M\u00f6nch an dem Ufersand, Heischt sein Teil von dem Fang, und die Milderen reichen&#8217;s ihm.<\/p>\n<p>Ihre Weiber indes, in best\u00e4ndiger Plauderlust, Sitzen unter den T\u00fcren, die Spindel zur Hand, umher.<\/p>\n<p>Sieh, da zeigt sich ein heiteres Paar, und es zieht im Nu Kastagnetten hervor und beginnt die bacchantische Tarantella, den \u00fcppigen Tanz, und es bildet sich Um die beiden ein Kreis von Beschauenden flugs umher; M\u00e4dchen kommen sogleich und erregen das Tamburin, Dem einfacheren Ohr der Zufriedenen ist&#8217;s Musik:<\/p>\n<p>Zierlich wendet die Sch\u00f6ne sich nun, und der bl\u00fchende J\u00fcngling auch. Wie er springt! wie er leicht und behend sich dreht, Stampfend, Feuer im Blick! Und er wirft ihr die Rose zu.<\/p>\n<p>Anmut aber verl\u00e4\u00dft den Begehrenden nie, sie z\u00e4hmt Sein woll\u00fcstiges Auge mit reizender Allgewalt:<\/p>\n<p>Wohl dem Volke, dem Gl\u00fccklichen, dem die Natur verliehn Angeborenes Ma\u00df, dem entfesselten Norden fremd! &#8211;<\/p>\n<p>Durchs Gew\u00fchle mit M\u00fch, ein Ermattender, dr\u00e4ngst du dich Andre Gassen hindurch; der Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer L\u00e4rm Ringsum. Horch, wie sie preisen die Ware mit lautem Ruf!<\/p>\n<p>K\u00e4uflich Alles, die Sache, der Mensch, und die Seele selbst.<\/p>\n<p>Aus Karossen und sonstigem Pferdegespann, wie schrein Wagenlenker um dich, und der d\u00fcrftige Knabe, der Auf die Kutsche sogleich, dir ein Diener zu sein, sich stellt.<\/p>\n<p>Sieh, hier z\u00fcgelt das Kabriolett ein beleibter M\u00f6nch, Und sein Eselchen gei\u00dfelt ein anderer wohlgemut.<\/p>\n<p>Kuppler lispeln indes, und es winselt ein Bettler dir Manches Ave, versch\u00e4mt das Gesicht mit dem Tuch bedeckt.<\/p>\n<p>Dort steht m\u00fc\u00dfiges Volk um den h\u00f6lzernen Pulcinell, Der vom Marionettengeb\u00e4lke possierlich glotzt; Hier Wahrsager mit ihrer gesprenkelten Schlangenbrut. &#8211;<\/p>\n<p>Alles tummelt im Freien sich hier: der gesch\u00e4ftige Garkoch siedet, er f\u00fcrchtet den seltenen Regen nicht; Ihn umgibt ein Matrosengeschwader, die hei\u00dfe Kost Schlingend gierigen Muts. An die Ecke der Stra\u00dfe dort Setzt ihr Tischchen mit Kupfermoneten die Wechslerin, Hier den Stuhl der gewandte Barbier, und er schabt, nachdem Erst entgegen dem sonnigen Strahl er ein Tuch gespannt.<\/p>\n<p>Dort im Schatten die Tische des fertigen Schreibervolks, Stets bereit zu Bericht und Suppliken und Liebesbrief:<\/p>\n<p>Ob ein Knabe diktiere der fernen Ersehnten sein Seufzen, oder ein leidendes Weib den verwiesenen Gatten tr\u00f6ste, verbannt nach entlegener Insel, ihn, Der sein freies Gem\u00fct in dem untersten Kerker qu\u00e4lt Hoffnungslos, und den Lohn, der erhabenen Tugend Lohn<\/p>\n<p>Erntet.- Aber entferne die schattende Wolke, Schmerz! &#8211;<\/p>\n<p>Auch zum Molo bewegt sich die Menge, wo hingestreckt Sonnt die nackenden Glieder der br\u00e4unliche Lazzaron.<\/p>\n<p>Capri siehst du von fern in dem ruhigen Wellenspiel; Schiffe kommen und gehn, es erklettern den h\u00f6chsten Mast Flugs Matrosen, es ladet die Barke dich ein zur Fahrt.<\/p>\n<p>Den Erz\u00e4hler indessen umwimmelt es, Jung und Alt, Stehend, sitzend, zur Erde gelagert und \u00fcbers Knie Beide H\u00e4nde gefaltet, in horchender Wi\u00dfbegier:<\/p>\n<p>Roland singt er, er singt das gefabelte Schwert Rinalds; Oft durch Glossen erkl\u00e4rt er die schwierigen Stanzen, oft Unterbrechen die H\u00f6rer mit mutigem Ruf den Mann.<\/p>\n<p>Aufersteh o Homer! Wenn im Norden vielleicht man dich Kalt wegwiese von T\u00fcre zu T\u00fcr, oh so f\u00e4ndst du hier Ein halbgriechisches Volk und ein griechisches Firmament! &#8211;<\/p>\n<p>Mancher Dichter vielleicht, in der \u00d6de des Nords erzeugt, Schleicht hier unter dem Himmel des Gl\u00fccks, und dem Heimatland Stimmt er s\u00fc\u00dfen Gesang und gediegenen Redeton, Den es heute vermag zu genie\u00dfen und morgen noch, Der zunimmt an Geschmack mit den Jahren, wie deutscher Wein:<\/p>\n<p>Freiheit singt er und m\u00e4nnliche W\u00fcrde der feigen Zeit, Schmach dem Heuchler und Fluch dem Bedr\u00fccker und Jedem, der Knechtschaft prediget, welche des Menschengeschlechts Verderb.<\/p>\n<p>Ach, nicht w\u00e4hnt er den Neid zu besiegen und weilt entfernt, Taub den Feinden und hoffend, es werde die sp\u00e4tre Welt Spreu von Weizen zu scheiden verstehn. &#8211; Wie erhaben sinkt Schon die Sonne! Du ruhst in der Barke, wie s\u00fc\u00df gewiegt!<\/p>\n<p>Weit im Zirkel umher, an dem busigen Rand des Golfs, Z\u00fcnden Lichter und Fl\u00e4mmchen sich an in Unz\u00e4hligkeit, Und mit Fackeln befahren die Fischer das goldne Meer.<\/p>\n<p>O balsamische N\u00e4chte Neapels! Erl\u00e4\u00dflich scheint&#8217;s, Wenn auf kurze Minuten das schwelgende Herz um euch Selbst Sankt Peter vergi\u00dft und das g\u00f6ttliche Pantheon, Monte Mario selbst, und o Villa Pamfili, dich, Deiner Brunnen und Lorbeerumschattungen k\u00fchlsten Sitz! &#8211;<\/p>\n<p>Doch der Morgen erscheint, und der Gipfel des Tags nach ihm:<\/p>\n<p>Traust du schon dem Gelispel der Welle dich an? Wohin?<\/p>\n<p>F\u00fchrt ein Wind die Orangenger\u00fcche Sorrents heran?<\/p>\n<p>Ja, schon schimmert von fern an dem Strande, mit Tassos Haus, Jene felsige Stadt, die berauschende, voll von Duft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was sagt ihr dazu? Was hat der Dichter sich dabei nun wohl gedacht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute flatterte mir von Lyrikmail ein Gedicht Text in Haus das der doch etwas &#8222;anders&#8220; zu sein scheint. Da so etwas hier aber sicherlich gern gelesen wird und\u00a0die Suchmaschinen endlich wieder einmal etwas zu tun bekommen m\u00f6chten habe ich hier\u00a0den\u00a0Text f\u00fcr euch: August von Platen (1796-1835) Bilder Neapels 1827. 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